Liebe SoLawistas,
wir werden ab Februar wieder auf einen zweiwöchentlichen Liefer-Rhythmus umstellen. Vermutlich so bis Ende April, wenn alles wieder sprießt und viel frisches Grün zu verteilen ist.
Wie ihr wisst, streben wir eine ganzjährige Versorgung an. Warum eigentlich?
- Lange Transportwege konterkarieren Klimaschutz
- ausbeuterische Arbeitsbedingungen bei Biogemüseherstellung in Südeuropa sind auch keine Lösung
- Ernährungssicherheit und Erhalt von lokalen Strukturen sind wichtig, für die Resilienz - Erfahrung aus der Corona-Zeit mit gestörten Lieferketten sind noch im Gedächtnis
Aber "anstreben" heißt ebendies - und eine Versorgung durch den Winter bleibt herausfordernd:
- Wachstum stark abhängig von Temperatur und Licht: Man sät und pflanzt im Spätherbst die Gewächshäusern voll, abhängig von der Witterung wächst es im Winter weiter, oder auch nicht.
- Schädlinge - die machen im Winter auch keine Pause. Da das Wintergemüse sehr lange im Gewächshaus und auf dem Acker steht, ist es auch über einen langen Zeitraum den Gefahren durch Schälinge ausgesetzt und haben Rehe, Mäuse, Gänse, Pilze viel Zeit mit euch in Nahrungskonkurrenz zu treten.
- Sehr kurze Erntefenster: Bei Kälte kann es passieren, dass man wochenlang gar nicht ernten kann – oder das Erntefenster nur etwa eine halbe Stunde offen ist, zwischen gerade aufgetaut und schon wieder dunkel.
- Begrenzte Vielfalt: Echte Regionalität im Winter ist naturgemäß weniger bunt. Das fordert eure Akzeptanz und Fantasie heraus.
- Lagerschäden: Nicht alles, was eingelagert wird, kommt auch heil durch den Winter.
- Die liebe Abhängigkeit vom Kohl: Viele unserer winterlichen Sattmacher gehören zur Kohl-Familie – und überhaupt zählen sehr viele unserer Kulturpflanzen dazu. Über die Zeit haben sich deshalb viele Organismen mitentwickelt, die sich aus gärtnerischer Sicht als Schädlinge bemerkbar machen.
- Um Krankheiten zu vermeiden, sollte Kohl nur einen möglichst kleinen Anteil in der Fruchtfolge haben und auf derselben Fläche höchstens alle vier Jahre angebaut werden. Bei begrenzter Anbaufläche bedeutet das automatisch: Auch die Kohlfläche ist begrenzt.
- Ihr erinnert euch an die Kohlhernie im letzten Jahr, die uns den gesamten Lagerkohl gekostet hat. Als Konsequenz daraus haben wir eine neue Kohlfläche zugepachtet. Dort gab es bisher keine Kohlhernie, und die Fläche ist groß genug, um mit der jetzigen Anbaumenge eine gesunde vierjährige Fruchtfolge einzuhalten.
- Der Wintergemüseanbau ist übrigens im Ausbau, und es gibt noch Fläche, die wir perspektivisch nutzen können - für Tatsoi, Asia-Salat, Stielmus, Winterkresse, Radieschen (übrigens auch alles Kohl...), Postelein
Warum ist der zweiwöchentliche Liefer-Rhythmus sinnvoll?
- Das Lager-Gemüse ist recht kompakt - das Volumen überschreitet also i.d.R. nicht die Kapazitäten der AbholerInnen
- Frisches Grün wächst nicht in Massen nach und muss nicht jede Woche geerntet werden
- Das Lagergemüse ist begrenzt und wir möchten es gern auf alle Wintermonate verteilen.
- Spart Fahrten, ist damit gut für Geldbeutel, Terminkalender und Umwelt.
- Wir haben euch sehr ordentliche Mengen Weißkohl und auch Rotkohl früh im Winter auf einmal rausgegeben, um Verluste durch Lagerung zu minimieren. Der "fehlt" natürlich gefühlt später.
Wo kommt eure Solidarität rein?
- Echte Regionalität kann im Winter etwas eintönig sein – das gehört leider dazu.
- Eure Solidarität sichert uns die Existenz über das ganze Jahr und macht den GärtnerInnen-Beruf überhaupt attraktiv. Der Winter ist harte Zeit für SoLawistas - aber gerade hier brauchen wir euch.
- Die Fülle im Sommer und die eingeschränkte Vielfalt im Winter gehören zusammen – und wir lernen gemeinsam, damit umzugehen.
Auf dem Weg zur ganzjährigen regionalen Versorgung schreiten wir weiter fragend und lernend voran, sammeln weiter gute Ideen für den Winteranbau, freuen uns dabei über euren Input und auch eure Fantasie im Umgang mit schwarzem Rettich, Knollensellerie und Steckrübe.
Herzliche Grüße
Inga